Joe Nimble

Der biologische Hintergrund von Laufverletzungen

Die meisten Läufer sind Freizeitläufer, überschreiten sehr selten Geschwindigkeiten von 16 km/h (10mph) und laufen größtenteils zum Spaß sowie zur Verbesserung ihrer Gesundheit. Der durchschnittliche Freizeitläufer ist über 40 Jahre alt und tendiert, aufgrund des überwiegend sesshaften, sitzenden Lebensstils der modernen Gesellschaft, zu Übergewicht* und neigt zudem zu einer schlechten Laufhaltung, die in Kombination mit einer beeinträchtigten Fußfunktion aufgrund schlecht gestalteten Schuhwerks das perfekte Rezept für Verletzungen beim Jogging schafft (Abb. 1).

*Dieser Artikel konzentriert sich auf die „Hardware“- und „Software“-Probleme des modernen Joggers und betrachtet diese als „Energie“-Probleme, die sowohl in Verbindung mit dem Alter und dem Gewicht stehen, jedoch auch ganzheitlicher Natur sind und Komponenten wie Ernährung, Schlaf und Training beinhalten.

 

Abb. 1. Die Biologie der Laufverletzungen

 

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 „Barfuß“ laufen: Eine schöne Hypothese

 

Seit 2009 und der „Barfuß-Revolution“ haben viele Läufer ihre Bestrebung nach dem „magischen Schuh“ oder den „verzauberten Einlagen“ aufgegeben und auf der Suche nach der „verlorenen Kunst des natürlichen Laufens“ eine neue Reise angetreten. Inspiriert von den Geschichten des „verletzungsfreien und ausdauernden menschlichen Jägers“ und „den heilenden Wirkungen des Barfußlaufens im Einklang mit Mutter Natur“ meldeten sich Läufer scharenweise für die Barfußlauftechnik-Workshops an, um die folgende Botschaft zu hören: „Menschen sind von Natur aus ‚zum Laufen‘ bestimmt und dass Läufer, die in einer natürlichen Umgebung aufwachsen, nicht dieselben chronischen Verletzungen beim Laufen erleiden wie moderne Läufer, weil erstere auf ihrem Vorderfuß laufen und minimales, unstrukturiertes Schuhwerk tragen, das starke Füße aufbaut.“ Eine schöne Hypothese; klar, simpel und dennoch tragischerweise für 80% der laufenden Bevölkerung falsch.

Die Geschichte zweier Läufer

 

Läufer 1 ähnelt den meisten modernen und relativ bewegungsarmen Menschen. Sie hat eine schlechte Haltung, eine schlechte Technik beim Laufen und chronische Knieschmerzen. Anders als die meisten modernen Menschen besitzt sie allerdings ein gutes Paar fußförmige Füße, die noch immer als solche funktionieren. Läufer 1 nimmt an einem Workshop für natürliches Laufen teil, bei welchem sie beim Barfußlaufen mit einer aufrechten Haltung, einer hohen Schrittfrequenz und einer auf dem Vorderfuß basierten Lauftechnik ein Aha-Erlebnis hat. Einen Monat später sind ihre Knieschmerzen verschwunden, sie hat ihre gepolsterten Laufschuhe weggeworfen, ein Paar Barfußschuhe erworben und angefangen, über ihre „Barfußabenteuer“ zu bloggen. Unglücklicherweise stimmen die Erfahrungen des Barfuß-/Vorfußlaufens von Läufer 1 mit weniger als 20% der laufenden Bevölkerung überein.

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 Läufer 2 ähnelt den meisten modernen und relativ bewegungsarmen Menschen. Sie hat eine schlechte Haltung, eine schlechte Technik beim Laufen, chronische Knieschmerzen UND Füße, die sich dem Design des modernen Schuhwerks angepasst haben und nun die Form des Schuhs angenommen haben. Schuh-geformte Füße funktionieren nicht mehr wie Füße. Sie werden instabil, steif und schwach. Läufer 2 nimmt an einem Workshop für natürliches Laufen teil, bei welchem sie beim Barfußlaufen mit einer aufrechten Haltung, einer hohen Schrittfrequenz und einer auf dem Vorderfuß basierten Lauftechnik ein Aha-Erlebnis hat. Einen Monat später sind ihre Knieschmerzen verschwunden, sie hat ihre gepolsterten Laufschuhe weggeworfen, ein Paar Barfußschuhe erworben und letztendlich entwickelte sich ein anhaltender Schmerz in ihren Waden und der Achillessehne, welcher noch viel belastender ist als ihre ursprünglichen Knieschmerzen. Nachdem sie ihre Laufeinheiten bereits um über 50% gekürzt hatte und der Schmerz dennoch anhielt, ging sie zu ihrem Hausarzt. Dieser rät ihr dazu, das Laufen aufzugeben und sich dem Radsport zu widmen. Leider stimmen die Erfahrungen des Barfuß-/Vorderfußlaufens von Läufer 2 mit über 80% der laufenden Bevölkerung überein.

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 Die Fußform bestimmt die Fußfunktion

Die Prinzipien der biologischen Konstruktion können mit der Phrase „Die Form bestimmt die Funktion“ zusammengefasst werden. Das heißt, dass die Struktur bestimmt, wie etwas funktioniert. Der menschliche Fuß ist ein Musterbeispiel dafür, wie die Störung einer biologischen Struktur die biologische Funktion stören kann. Wenn Ihr Fuß nicht mehr länger wie ein Fuß geformt ist (also am breitesten an den Zehen), dann ist dieser in seiner Stabilitäts- und Stoßdämpfungsfunktion, sowie seiner Fähigkeit zum Antrieb eingeschränkt.

 

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 Fußform und -funktion beurteilen

Die beNimble App wurde mit dem Fokus auf eine Reihe an Tests entwickelt, welche die Fußfunktion prüfen und eine Einleitung zu Funktionsschuhen bietet.

Der Download ist kostenlos und kann hier vorgenommen werden:

 

App

 Lee Saxby entwickelte das Functional-Footmap-System für Therapeuten,  Ausbilder und Coaches, die sich darüber bewusst sind, wie wichtig der Fuß für die menschliche Bewegung ist und eine effiziente, wiederholbare und verlässliche Methode zur Beurteilung der Fußfunktion benötigen. Das Functional-Footmap-System ist ein praktisches System zur Analyse des Fußabdrucks und kann sowohl im klinischen Kontext als auch im Trainingsbereich ganz einfach eingebunden werden.

www.leesaxby.com

www.functionalfootmap.com

 

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